Erschienen am: 1770109016
Das erste Großprojekt
Der „Topographische Atlas des Königreiches Bayern“ (1801-1867)
Das erste Großprojekt der Bayerischen Vermessungsverwaltung ist der „Topographische Atlas des Königreiches Bayern“ im Maßstab 1:50 000. Er wurde vom Topographischen Bureau erarbeitet und entstand in der Zeit zwischen 1801 und 1867. Einschließlich Titelblatt und Übersichtsblatt mit Zeichenerklärung umfasst das im Kupferstich herausgegebene Kartenwerk 112 Blätter. Der Atlas gibt das Königreich Bayern flächendeckend wieder und enthält die Gebiete des rechtsrheinischen Bayern und der Pfalz.
Die Arbeiten hierzu begannen unmittelbar nach der Gründung des Topographischen Bureaus im Jahre 1801 mit der Messung der Basislinie zwischen Unterföhring und Aufkirchen. Danach wurden die Eckpunkte des Hauptdreiecksnetzes festgelegt und die Dreieckswinkel gemessen. Anschließend erfolgte die trigonometrische und geodätische Aufnahme im Gelände. 1810 konnte, wie aus dem Monatsbericht des Topographischen Bureaus hervorgeht, mit dem Kupferstich der ersten drei Kartenblätter München, Wolfratshausen und Erding begonnen werden.
Das erste im Kupferstich fertig gewordene Blatt München (externer Link, öffnet in neuem Tab) wurde am 4. September 1811 dem Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten übergeben.
Das dazugehörige Begleitschreiben enthält nicht nur Erläuterungen zur „Nomenclatur“, sondern macht auch deutlich, wie sorgfältig damals das Papier für die Kartenabdrucke ausgewählt wurde: „Noch bemerke ich gehorsamst, daß die Abdrücke auf dem in der Anlage beygelegten Papier, welches aus einer Fabrik des Departments der Vogesen ist, sich weit besser ausnehmen und in der neuen Presse weit schöner herausheben werden. Von allen verschiedenen Papier-Mustern, welche die Direction erhalten hat, ist dieses das vorzüglichste, und das wohlfeilste; Es ist dasselbige Papier, welches die von dem Kaiser ernannte Commißion für die Kupferstiche der Monumens d’Egypte ausgewählt hat“ (zitiert nach Habermeyer, S. 62).
König Max I. Joseph bekundete seine „allerhöchste Zufriedenheit“ und am 12. Juni 1812 erfolgte schließlich die „Allerhöchste Verordnung“ des Königs, mit der die Publikation der ersten drei Blätter des Atlasses beginnen konnte.
Ab 1818 erschien zusätzlich zu jedem einzelnen Atlasblatt ein erläuternder Textteil, das sog. Repertorium (externer Link, öffnet in neuem Tab). Darin sind „Topographische Gegenstände“ wie „Wohnorte“, „Gebirgs-Züge“, „Gewässer“, „Waldungen“, „Moose“ und „Straßenzüge“, aber auch sog. „Historische Merkwürdigkeiten“ und eine „Zusammenstellung der vorzüglichen Denk- und Merkmahle der Vorzeit“ zu finden.
1867 lag der komplette Topographische Atlas des Königsreiches Bayern (externer Link, öffnet in neuem Tab) in seiner ersten Ausführung vor. Er wurde zum Vorbild für weitere topographische Landesaufnahmen in Europa. Anlässlich der Weltausstellung 1873 in Wien wurde das Kartenwerk mit der großen Fortschrittsmedaille geehrt.
Quelle: Alfons Habermeyer: Die Topographische Landesaufnahme von Bayern im Wandel der Zeit. Stuttgart 1993, S. 39-64.