Erschienen am: 1784199851

250. Geburtstag von Johann Georg von Soldner

Mathematiker, Astronom und Pionier der modernen Landesvermessung
Graphische Darstellung; Porträt Johann Georg von Soldner, Türme der Frauenkirche, Koordinatensystem
© LDBV
Johann Georg von Soldner, 250. Geburtstag

Am 16. Juli 1776 wurde Johann Georg Soldner als Bauernsohn auf dem Georgenhof bei Feuchtwangen geboren. Mit dem nach ihm benannten Soldner-Koordinatensystem schuf er die wissenschaftliche Grundlage für die bayerische Landesvermessung.

Soldner reduzierte mit einem pragmatischen Kniff den Rechenaufwand auf der gekrümmten Bezugsfläche der bayerischen Landestriangulation. Statt eines Ellipsoids wurde dabei eine Kugel gewählt. Die sogenannte Soldner-Kugel. Auf ihr sind geometrische Berechnungen mathematisch sehr viel einfacher. Als Nullpunkt des kartesischen Koordinatensystems wurde der Nordturm der Frauenkirche in München bestimmt. Das Soldner-Koordinatensystem war in ganz Deutschland verbreitet und wurde erst ab den 1920er Jahren nach und nach durch das Gauß-Krüger-Koordinatensystem und jüngst durch das ETRS 89 (Europäisches Terrestrisches Referenzsystem 1989) ersetzt. In Berlin galt das Soldnersche Koordinatensystem sogar bis 2015.

Soldner hat nie eine höhere Schule besucht oder ein Universitätsstudium nach heutigem Verständnis absolviert. Nach einer praktischen Ausbildung als Geodät und Astronom arbeitete er zunächst in Berlin. Von 1804 bis 1806 leitete er die Triangulierung im damals preußischen Fürstentum Ansbach. Später war er in der Steuervermessungs-Kommission in München tätig. 1815 wurde er zum Hofastronomen ernannt und leitete die neu erbaute Königliche Sternwarte in Bogenhausen. Hier war er entscheidend an der Entdeckung der nach Joseph von Fraunhofer benannten Absorptionslinien im Licht-Spektrum der Himmelskörper beteiligt. Soldner und Fraunhofer führten die weltweit erste systematische Erforschung dieses Phänomens durch, das heute eines der wichtigsten Werkzeuge der Astronomie ist. Seiner Zeit voraus war Soldner auch mit seiner Theorie, dass ein Lichtstrahl, den man sich damals als Strom von Teilchen vorstellte, durch „die Attraktion eines Weltkörpers, an welchem er nahe vorbeigeht“, von seiner geraden Bewegung abgelenkt wird. Deshalb gilt Soldner als Vorläufer von Albert Einstein und dessen Relativitätstheorie. Mit seinen Arbeiten zum Integrallogarithmus und der nach ihm benannten „Soldner-Konstante“ leistete er auch einen wertvollen Beitrag zur Mathematik.

Johann Georg von Soldner (das „von“ in seinem Namen erhielt er 1825) starb am 13. Mai 1833. Er wurde auf dem Friedhof in München-Bogenhausen beigesetzt. Er erhielt mehrere internationale Auszeichnungen, wurde in den persönlichen Adelsstand erhoben und war Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Im Außenbereich des Landesamts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung steht das Soldner-Denkmal, die sog. „Soldner-Kugel“. Die vom Bildhauer Rolf Nida-Rümelin entworfene Kugel besteht aus Nagelfluh und Stahl und wurde 1962 enthüllt. Sie symbolisiert die Bezugsfläche der bayerischen Landesvermessung. Um die Kugel schlingt sich ein Bronzeband mit der auf Soldner bezogenen Inschrift CAELUM DIMENSURAVI TELLUSQUE BAVARIAE – DIE GESTIRNE HABE ICH VERMESSEN UND DAS LAND BAYERN.

Für besondere Verdienste um das Vermessungswesen in Bayern verleiht das Bayerische Staatsministerium der Finanzen und für Heimat seit 2003 die Soldnermedaille.

Veranstaltungs-Hinweis:

Am 23. Juli 2026 hält Stefan Geßler vom Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Schwabach im Fränkischen Museum Feuchtwangen einen Vortrag über „Johann Georg von Soldner und seine Bedeutung für die Landesvermessung in Bayern“.

Wichtigste Werke Soldners:

Johann Georg von Soldner: Ueber die Ablenkung eines Lichtstrals von seiner geradlinigen Bewegung durch die Attraktion eines Weltkörpers, an dem welchem er nahe vorbei geht. in: Berliner Astronomisches Jahrbuch 1804, S. 161-172.

Johann Georg von Soldner: Theorie der Landvermessung. Leipzig 1911.

Neueste Sekundärliteratur:

Alfred Schödlbauer: Johann Georg von Soldner aus Anlass seines 250. Geburtstags. in: DVW Mitteilungen 2/2026, S. 103-242.